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Ein Reißiger kehrte heim
Aufführungen von Werken unserer Dresdner Altmeister, gleich ob sie Heinichen, Zelenka oder Reißiger heißen, finden im allgemeinen nur noch als Ehrungen zu runden Geburts- oder Todestagen statt. So geschehen auch zu Reißigers 200. Geburtstag im Jahre 1998. Damals erklangen sein Oratorium „David“ und seine Missa solemnis d-moll, seine Jubelouvertüre sowie verschiedene kammermusikalische Werke und Lieder in Dresden, seinem langjährigen Wirkungsort als Hofkapellmeister.
Reißiger zu ehren haben wir allen Grund, war er doch in Leipzig als Thomaner ein vielseitig begabter und fleißiger Schüler und hat danach das musikalische Europa bereist: Wien, München, Paris und die Mehrzahl italienischer Musikzentren einschließlich Rom.
Im vergangenen Jahr kamen aus seiner Geburtsstadt Belzig, die zu seiner Zeit (bis 1815) sächsisch war, Gäste nach Dresden und brachten ein weiteres, sozusagen „neues“ Werk von ihm hier in der Kathedrale zur Aufführung, sein Requiem d-moll. Er hat es in den Jahren 1837/38 komponiert. Vermutlich entstand es noch unter dem Eindruck des Todes von König Anton „dem Gütigen“ im Jahr zuvor. Neu ist es auch in so fern, als es sich um einen Neudruck handelt, den Thea Labes, Kirchenmusikerin i. R. in Belzig, an Hand des in der Dresdner SLUB aufbewahrten Autographen erarbeitet hat.
Dargeboten wurde Reißigers Requiem d-moll am Buß- und Bettag 2007 im der Kathedrale zu Dresden. Es waren Künstler angereist, deren Namen in Dresden bis auf den Tenor weniger bekannt sind, die aber voll zu überzeugen vermochten: Friederike Holzhausen Sopran, Albrecht Lepetit Tenor und Dirk Schmidt Bass, dazu der David-Chor Belzig und ein Orchester mit Musikern aus Berlin, Potsdam, Dessau und Dresden.
Die Leitung der Aufführung lag in Händen von Thea Labes. Dass die von Wuchs kleine Frau ihren David-Chor (benannt nach Reißigers gleichnamigen Oratorium) voll im Griff hat und auch über Klippen hinweg zu steuern vermag, darf als selbstverständlich gelten. Ein so bunt zusammengesetztes Orchester aber zu einem Klang zu führen verdient Bewunderung. Hier spürte man einerseits ihre durch die Neubearbeitung gewonnene Werkkenntnis, andererseits verfügt sie über jahrzehntelange Erfahrung, so dass ihr die Wiedergabe bestens gelang.
Möge es für Reißiger und Dresden ein gutes Omen für sein kommendes Jubiläumsjahr 2009 sein.
Dr. Heinz Gerlach
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